Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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  • 06.05.2022

    Pritzker-Preisträger*innen Lacaton & Vassal übernehmen Generalsanierung von Kampnagel

    Verbindung der programmatischen Innovationskraft mit visionärer Architektur zum Kunstzentrum der Zukunft
     
    Das 2021 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnete Architekturbüro Lacaton & Vassal von Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal hat den Zuschlag für die Sanierung und Erweiterung des internationalen Produktionshauses Kampnagel erhalten. Damit realisieren die international renommierten Architekt*innen erstmals ein Bauprojekt in Deutschland. Dieses Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung haben Kulturstaatsministerin Claudia Roth und Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda zusammen mit Kampnagel Intendantin Amelie Deuflhard heute in Hamburg präsentiert.
     
    Ende 2019 hatte der Bund beschlossen, die Sanierung Kampnagels mit bis zu 60 Millionen Euro zu unterstützen, die in gleicher Höhe von der Stadt kofinanziert werden. Ziel der umfangreichen Modernisierung ist es, das internationale Produktionshaus, das Anfang der 1980er Jahre auf dem Gelände einer ehemaligen und heute denkmalgeschützten Kranfabrik entstanden ist, als weltweit renommiertes Zentrum für aktuelle Kunst unterschiedlicher Sparten auch architektonisch grundlegend weiterzuentwickeln. Die Sprinkenhof GmbH, die das Projekt im Rahmen des Mieter- Vermieter-Modells ausführen wird, hat für die Architekturleistung eine europaweite Ausschreibung durchgeführt, an der mehrere renommierte Büros teilgenommen haben. Den Zuschlag für die Umsetzung des Projektes hat die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) bestehend aus dem Pariser Architekturbüro Lacaton & Vassal und LV Baumanagement AG bekommen. Die Pritzker-Preisträger*innen Lacaton & Vassal hatten bereits eine erste Konzeptstudie erstellt, die Grundlage der Ausschreibung war. Mit der Beauftragung der ARGE startet jetzt die Detailplanung. Die Umsetzung soll ab 2025 in mehreren Abschnitten erfolgen, sodass der Spielbetrieb durchgehend weiterlaufen kann.
     
    Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal zählen nicht erst seit der Verleihung des Pritzker-Preises 2021 zu den international wichtigsten Vertreter*innen einer pragmatischen, sozialen Architektur, die sowohl die ökonomischen als auch die ökologischen Grundlagen des Bauens hinterfragt und die damit außergewöhnliche Lösungen entwickeln. „Never demolish“ – „Niemals abreißen“: Diesem Kernsatz folgend, nähern sich Lacaton & Vassal ihren Projekten mit größter Wertschätzung und Präzision und entwickeln dabei überraschende, neue, nachhaltige und in ihrer Einfachheit spektakuläre Lösungen. Zu den von ihnen realisierten Projekten gehören u.a. das Palais de Tokyo in Paris. Durch Umsetzung nur der absolut notwendigsten Veränderungen im nahezu auf den Rohbau zurückgefallenen ehemaligen Ort des Centre Pompidou gelang es Lacaton & Vassal, dem Gebäude eine vielschichtige Gelassenheit zu geben, die für dort ausstellende Künstler*innen einen höchst kreativen Raum lässt. 2017 haben sie in Bordeaux nach einer umfassenden Bedarfsanalyse der Bewohner*innen einen Wohnblock mit 500 Wohnungen saniert und dabei jede Wohnung um 20 Quadratmeter erweitert, ohne dass die Menschen ausziehen mussten. Jean-Philippe Vassal beschreibt den Umgang mit dem Bestehenden: „Das Vorhandene hat einen Wert, wenn Sie sich die Zeit und Mühe nehmen, es sorgfältig zu betrachten. Tatsächlich ist es eine Frage der Beobachtung, sich einem Ort mit frischen Augen, Aufmerksamkeit und Präzision zu nähern … die Werte und die Mängel zu verstehen und zu sehen, wie wir die Situation ändern können, während wir alle Werte des Vorhandenen beibehalten.“
    Quelle: https://www.pritzkerprize.com/laureates/anne-lacaton-and-jean-philippe-vassal
     
    Amelie Deuflhard, Intendantin Kampnagel: „Ich freue mich sehr, dass das internationale Büro Lacaton & Vassal den Zuschlag bekommen hat. Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal arbeiten an bestehenden Gebäuden mit der Präzision von Archäologen und beschäftigen sich immer erstmal intensiv mit dem, was bereits da ist und mit der sozialen und kulturellen Verortung. Sie sind Expert*innen darin, das Potenzial von Bestehendem zu erkennen und es gleichzeitig in etwas Neues und Zeitgemäßes zu transformieren. Dabei gehen sie stets von den Bedürfnissen der Nutzer*innen aus und schaffen Räume von größtmöglicher Flexibilität, Autonomie und Transparenz. Bei ihrem Konzept für Kampnagel hat genau diese Herangehensweise überzeugt: die Geschichte und gewachsene Struktur des Ortes zu berücksichtigen, ohne Fragen von Klima, Nachhaltigkeit, neuen Funktionen und Sichtlinien zu vernachlässigen. Eine derart umfangreiche Sanierung hat in kulturell umgenutzten Fabrikhallen in Europa bisher nicht stattgefunden. Die neue Architektur und der Nutzer*innen-orientierte Ansatz von Lacaton & Vassal verbinden sich in einzigartiger Weise mit den kuratorischen Visionen von Kampnagel. Ich bin deshalb überzeugt, dass Lacaton & Vassal im Einklang mit unserem Programm ein interdisziplinäres und innovatives Kunstzentrum der Zukunft gestalten werden.“
     
    Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal, Architekturbüro: „Kampnagel ist ein faszinierender Ort, ein Sinnbild für Hamburg und seine Beziehungen zur Welt. Es ist für uns eine große Motivation und eine große Freude, an diesem Projekt zu arbeiten. Das Theater hat dem Fabrikgelände, auf dem es entstanden ist, seinen Stempel aufgedrückt und seine Seele eingehaucht und dabei den industriellen Charakter des Ortes nicht überschrieben, sondern ihn sich zunutze gemacht. Wir wollen mit unserer Arbeit die von Produktion und Kreativität geprägte Atmosphäre und die ursprüngliche industrielle Identität des Ortes erhalten, aber ohne Nostalgie, sondern mit dem Ehrgeiz, das Theater für sein Programm und die Nutzer*innen zukunftsfähig zu gestalten. Dazu gehört auch, Anforderungen an Nachhaltigkeit, Umwelt und Energieeffizienz zu berücksichtigen, die unterschiedlichen Nutzungen und Architekturen weiterhin sichtbar zu machen und neue Räume in diesem Sinne mit einer zeitgenössischen Architektur hinzuzufügen, möglichst bei fortlaufendem Spielbetrieb.“
     
    Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Hamburg wird in den kommenden Jahren zusammen mit dem Bund zahlreiche große Projekte umsetzen, die die Kulturstadt auch im internationalen Vergleich weiter stärken werden. Ein wichtiges gemeinsames Projekt wird in den kommenden Jahren die Weiterentwicklung von Kampnagel sein. Kampnagel ist ein internationaler Ort der Kunst und der Begegnung. Die Sanierung unterstreicht diese Offenheit und Zugewandtheit des Hauses und schafft Zugänge, physisch, künstlerisch, gesellschaftlich. Es entstehen Räume der Begegnung und des Austauschs über die gesellschaftlichen Themen mittels der Kraft der Kunst. Es gibt wohl weltweit nicht viele Architekten, die wie Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal so kreativ und sensibel mit der Seele dieses denkmalgeschützten Ortes der Kultur arbeiten können. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Pritzker-Preisträgern und auf deren Impulse für Kampnagel.“
     
    Pläne für Generalsanierung von Kampnagel ab 2025

    Mit der Sanierung und Erweiterung der Gebäude und des Geländes von Kampnagel soll das innovative internationale und interdisziplinäre künstlerische Profil des Hauses auch in der Architektur seinen Ausdruck finden. Die historischen Kampnagel-Hallen sollen stärker geöffnet und für einen flexiblen Spielbetrieb ausgestattet werden. Die Probenmöglichkeiten sollen deutlich verbessert und erweitert und eine Unterbringungsmöglichkeit für kurz- und längerfristige Aufenthalte von Künstler*innengruppen aller Genres geschaffen werden. Kassen, Foyers, Sanitäreinrichtungen und Restaurant sollen ebenfalls überarbeitet beziehungsweise neu platziert werden. Auch das Verwaltungsgebäude wird saniert und neu geordnet. Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden von Kampnagel sollen sich verbessern und die Ausstattung der Veranstaltungsflächen, unter anderem von Bühnen- und Haustechnik, an den heutigen internationalen Standard angepasst werden. Zudem ist geplant, Hallen, Garten und Osterbekkanal miteinander zu verbinden und für Besucher*innen und in den Stadtteil zu öffnen. Dabei soll vor allem die Kampnagel-typische offene, raue und freie Atmosphäre erhalten und gestärkt werden.
     

     

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