Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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  • 29.01.2021

    Bundesweites Theaterprojekt KEIN SCHLUSSSTRICH! thematisiert NSU-Komplex und rassistische Strukturen in der Gesellschaft

    Vom 21. Oktober bis zum 7. November 2021 findet das bundesweite interdisziplinäre Projekt Kein Schlussstrich! statt, mit dem Anliegen, die Taten und Hintergründe des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) künstlerisch zu thematisieren. Kampnagel gehört zu dem Kooperationsnetzwerk verschiedener Institutionen, das dieses Projekt gemeinsam umsetzt und in den jeweiligen Städten und Häusern dezentral Programme plant.

    Beteiligt sind Akteure in den Städten, die unmittelbar vom NSUKomplex betroffen waren und sind: die Städte, in denen zehn Bürger*innen – Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşik, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter – von Rassisten ermordet wurden. Auch jene Städte sind beteiligt, in denen die Täter des NSU aufwuchsen, Aufenthalt oder Unterstützung fanden. Mit dem Vorhaben sollen die Perspektiven der Familien der Opfer und der migrantischen Communities in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht werden. Gleichzeitig geht es darum, rassistische Strukturen in unserer Gesellschaft aufzudecken und zu benennen, denn die Markierung rechten Terrors als Einzelfall, als losgelöst vom Rest der Gesellschaft, verhindert wie beim NSU-Komplex und zuletzt in Halle und Hanau, diese Strukturen zu erkennen und erfolgreich zu bekämpfen.

    Zur Umsetzung des Projekts KEIN SCHLUSSSTRICH! gründete sich im September 2020 der Verein „Licht ins Dunkel e.V.“, der aus Akteur:innen aus den deutschen Städten besteht, die unmittelbar vom NSU-Komplex betroffen waren und sind, aber auch aus den Orten, an denen die Täter des NSU aufwuchsen, Aufenthalt oder Unterstützung fanden. Mitwirkende Institutionen sind: ASA FF e.V. in Chemnitz, Theater Chemnitz, Dietrich-Keuning-Haus Dortmund, Kampnagel Hamburg, Theater Heilbronn, JenaKultur, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena (in Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung), Theaterhaus Jena, Staatstheater Kassel, Schauspiel Köln, Staatstheater Nürnberg, Theater Plauen-Zwickau, Volkstheater Rostock, Theater Rudolstadt-Eisenach, Deutsches Nationaltheater Weimar.

    Sie alle planen gemeinsam für den Herbst 2021, in dem sich die Selbstenttarnung des NSU-Täter*innentrios zum zehnten Mal jährt, themenbezogene künstlerische Projekte, die von diskursiven Programmen flankiert werden. Die künstlerische Klammer des Projekts bilden zwei multilokale Eigenproduktionen: das musikalisch-performative und partizipatorische Oratorium „MANİFEST(O)“ des Komponisten Marc Sinan und die von Ayşe Güleç und Fritz Lazlo Weber kuratierte Ausstellung „Offener Prozess“ des ASA FF.

    Auf Kampnagel wird im Rahmen von KEIN SCHLUSSSTRICH! im Oktober 2021 ein Symposium zum Thema veranstalten, das inhaltlich in den kommenden Monaten gemeinsam mit verschiedenen Aktivist:innen und Gedenkinitiativen in Hamburg erarbeitet wird.

    Als weiteren Beitrag präsentiert Kampnagel eine neue Arbeit der Hamburger Künstlerin Leyla Yenirce. In dem installativen Live-Hörspiel „A possible Form of Resilience (AT)“ erforscht sie Lebensläufe von Künstlerinnen und Aktivistinnen aus verschiedenen Epochen, die auf den gesellschaftlichen Faschismus ihrer Zeit auf widerständige Weise reagiert haben. 

    Kampnagel Intendantin Amelie Deuflhard:

    „Wir wollen KEIN SCHLUSSSTRICH! zu einem der herausragenden transdisziplinären und kooperativen Theaterprojekte in 2021 machen. Denn: Unser einzigartiges Netzwerk aus unterschiedlichen Akteur:innen wird in Bezug auf die NSU Verbrechen keinen Schlussstrich ziehen, so lange rassistische, antisemitistische und menschenverachtende Haltungen weit in unsere Gesellschaft und ihre Institutionen hinein präsent sind.  Wir suchen Übersetzungen der politischen Diskurse in künstlerische Produktionen und Formate. Wenn die Gerichte, die zuständigen Ermittlungs-Behörden, die parlamentarischen Debatten, die Medien, nicht willens oder in der Lage sind, die notwendigen Resonanzräume für die Angehörigen- und Betroffenenperspektiven zu bieten, machen wir diese in der Kunst auf und erfüllen damit auch unsere gesellschaftspolitische Rolle, denn Kunst und Theater haben viele Möglichkeiten, Stimmen und Konflikte hörbar zu machen.“

    Download der ausführlichen Pressemappe zum Projekt. 

Kartentelefon +49 40 270 949-49
tickets@kampnagel.de