Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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  • 03.12.2020

    Franck Edmond Yao – TRANSFORMATION: Wir suchen eine Produktionsleitung!

     

    Projekt:

    Am französischen Hof etabliert und von Ludwig XIV als Kunstform direkt mit dem monarchischen Staat verbunden, nahm das klassische Ballett in der Familie des Tanzes von Beginn an die Rolle eines Herrschers ein. Lange Zeit war eine Vermischung mit anderen Disziplinen undenkbar, das Ballett war definiert durch Reinheit der Form und strikte Abgrenzung. Yaos choreografische Biografie hat ihn auch mit anderen solchen Herrschaftssystemen bekannt gemacht: Von den Eltern früh initiiert lernte er über Jahre hinweg die strikten Regeln zweier unterschiedlicher traditioneller afrikanischer Tänze, die ein ganz anderes aber ähnlich zementiertes Regime führten. Ab 1994 machte er einen Ausflug in den zeitgenössischen afrikanischen Tanz, und entdeckte eine weitere verborgene Machtstruktur: den zeitgenössischen afrikanischen Tanz als Kollaborateur kolonialer Systeme, in dem viel Verachtung für die urbanen Stile steckt. Produziert für einen europäischen Markt, behauptet er zwar eine Opposition zum hiesigen zeitgenössischen Tanz, wird Europa als ästhetischen und strukturellen Bezugspunkt aber einfach nicht los. Yao verließ das System und baute sich in der Elfenbeinküste als Tänzer und Sänger des Coupé-Décalé eine Karriere auf, widmete sich den urbanen Stilen, und dekonstruierte all seine choreografischen Erfahrungen in verschiedensten transnationalen Arbeitskontexten. Als Reisender zwischen den Disziplinen und Kulturen erkennt er hinter Schulen und Stilen ein Netzwerk ästhetischer Machtsysteme, an dem sich viele koloniale Muster ablesen lassen: Kategorisierung und Katalogisierung, Hierarchisierung und Unsichtbarmachung, Reproduktion struktureller Privilegien.

    In TRANSFORMATION wird er mit vier Tänzer*innen des klassischen Balletts, des europäischen sowie des afrikanischen zeitgenössischen Tanzes, des urbanen Tanzes sowie traditioneller afrikanischer Tänze choreografisch auf der Bühne Machtsysteme verhandeln, Revolution anzetteln und Kategorien sprengen, mit der gemeinsamen Vision einer Transformation des Zeitgenössischen. Nach der erfolgreichen Aufführung der ersten zwei Episoden des Projekts SANDWICH SYNDROM schließt Yao thematisch an Fragen nach Hierarchien und Machtgefällen an, die er zuletzt vor allem auf der Ebene des Sozialen gestellt hat, und die er nun auf Parallelen in der Welt des Tanzes untersucht.

    Geplant ist eine einwöchige Probenphase in Abidjan, danach eine dreiwöchige Probenphase in Hamburg, auf die die Premiere (3 Aufführungen) auf Kampnagel folgt. Das Projekt ist durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg mit 42.860€ gefördert

     

    Profil:

    -Französischkenntnisse (vor allem mündliche Kommunikation fließend ist wichtig)

    -Koordinierung der Proben, inkl. Reisen und Unterkünfte

    -Verwaltung des Projektbudgets

    -Erstellung der Künstler*innen-Verträge

    -Schnittstelle zur Kommunikation mit Kampnagel

    -Sensibilität für dekoloniale und antirassistische Diskurse, wir freuen uns über Interesse von Produktionsleiter*innen of Color

    -Wohn- und Arbeitsort in Hamburg von Vorteil

    -Akquirieren weiterer kleinerer Drittmittel (Goethe-Institut für Reisen, etc.)

     

    Zeitplan:

    Wir suchen ab sofort eine Produktionsleitung. Da die an der Produktion beteiligten Künstler*innen aus Abidjan zurzeit weder reisen können noch künstlerische Arbeit haben, möchten sie den Winter nutzen, um mit der Arbeit an Choreografie, Bühne und Kostüm zu beginnen. Dazu müssen erste Mittelabrufe bei der Kulturbehörde durchgeführt werden. Der Schwerpunkt der Arbeit wird später liegen, wenn Zeiten für Proben und Aufführung feststehen. Diese sind pandemiebedingt gerade nur schwer anzugeben, angepeilt ist aber eine Premiere im Winter 2021 in Hamburg.

     

    Vergütung:

    Es ist ein Honorar von 4000€ für die Produktionsleitung angesetzt.

     

    Kontakt:

    Bei Interesse freuen wir uns über eine Email (bitte auf französisch) an gadoukou61@gmail.com und alina.buchberger@kampnagel.de !

Kartentelefon +49 40 270 949-49
tickets@kampnagel.de