Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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Kein Einzelfall - Rechtsradikale Realitäten in Deutschland
Antifaschismus 2021: Komplexe Erinnerung – Komplexe Strategien:

Digitalkongress

 
  • Kein Einzelfall
    © deutschlandproblem.de
Digital / Rollstuhlgerecht / Theorie
  • Fr, 16.04.2021 10:30 [Live-Stream]
    Kampnagel – K6 Eintritt frei
  • Sa, 17.04.2021 10:30 [Live-Stream]
    Kampnagel – K6 Eintritt frei

NSU, Halle, Hanau, Verschwörungsideologien, institutioneller und struktureller Rassismus sowie rechtsradikale Netzwerk in Bundeswehr und Polizei: Zwischen diesen Fixpunkten bewegt sich antifaschistisches Engagement heute.
Im Kongress verbinden sich in drei thematischen Blöcken aktivistische, wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven mit den Expertisen von Betroffenen rechter Gewalt. Es wird Fragen nach kollektivem Erinnern, öffentliche Raumnahmen, selbstreflektiertem Aktivismus, intersektionalen Zusammenhängen sowie den deutschen Realitäten und Hamburger Zuständen nachgegangen.

Mit Beiträgen u.a. von Ibrahim Arslan, Cana Bilir-Meier, Ayşe Güleç, Noa K. Ha, Naomi Henkel-Gümbel, Gianni Jovanovic, Heike Kleffner, Ronya Othmann, Massimo Perinelli, Katharina Rhein,   Reyhan Şahin, Initiative Sinti-Roma-Pride, Hito Steyerl.

Programm am Freitag, 16.04.2021 ab 11:00 im Live-Stream:

Block 1: Can the Subaltern Remember?  - Interventionen in die Erinnerungskultur. Re-Organisation des Gedenkens

Wer erinnert an die Opfer rechter Gewalt, wer benennt Täter*innen und ihre Unterstützer*innen? Und wer erinnert explizit nicht? Wessen Erinnerungspraxis und Expert*innenwissen wird marginalisiert und wessen Narrativ mit der Macht der Dominanzgesellschaft durchgesetzt?

Schon vor dem Live-Kongress geben Dr. Massimo Perinelli und Dr. Katharina Rhein zwei inhaltliche Inputs in die Themen des Kongresses. In ihren Kurzvorträgen und im anschließenden Gespräch mit Nissar Gardi benennen sie  einige zentrale Fragestellungen, die am 16. und 17. April weiter vertieft werden.

Dr. Massimo Perinelli: 30 Jahre NSU-Komplex – 30 Jahre Migrantifa

Der Historiker, Referent und Aktivist Massimo Perinelli skizziert in seinem Vortrag drei parallele Entwicklungen: Während die Mörder*innen des NSU seit den 1990ern Anschläge auf migrantisch gelesene Menschen organisierten, ignorierten die Ermittlungsbehörden alle Hinweise auf die rechtsradikalen Motive. Stattdessen kriminalisierten sie - flankiert von einem Großteil der Medien - die Opfer, Überlebenden sowie ihre Angehörigen. Deren Hinweise und Aussagen wurden diskreditiert, was zu einer Selbstorganisation postmigrantischer Communities gegen die Marginalisierung ihrer Erfahrungen, Erinnerungung und ihres Expert*innenwissens führte.

Dr’in. Katharina Rhein: Von der rechten Gewalt, die es nicht geben durfte. Erinnerungskulturelle Praxen in der BRD seit 1945

Die Soziologin und Pädagogin Katharina Rhein, Ko-Leiterin der Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Uni Frankfurt, geht in ihrem Input der Frage nach, warum die lange Geschichte des bundesrepublikanischen Rechtsterrorismus bis heute fast keine Spuren in einer dominanzgesellschaftlichen Erinnerungskultur hinterlassen hat. Sie skizziert ein Narrativ von verirrten Jugendlichen und verwirrten Einzeltäter*innen, das sich vom frühen Nachkriegsdeutschland bis in die Gegenwart in immer neuen Varianten wiederentdecken lässt. Es ist die Legende von den aberhunderten „Einzelfällen“, die die Geschichte der Bundesrepublik durchziehen, ohne dass ein strukturelles Problem erkannt würde.

 

LIVE INHALTE

 

10:30 Uhr
Eröffnung & Keynote

Mohamed Amjahid: Geschichte und Erinnerungsüberlegenheit. Eine kritische Betrachtung der deutschen Gedenkkultur 

Mohamed Amjahid eröffnet mit seiner Keynote den erinnerungskulturellen Themenblock des Kongresses „Antifaschismus 2021: Komplexe Erinnerung – Komplexe Strategien - Multiperspektivische Praxis“. Er widmet sich der international angeblich so einzigartigen bundesdeutschen Gedenkkultur und unterzieht das Selbstverständnis der deutschen „Erinnerungsweltmeister*innen“ einer kritischen Betrachtung: „Das Grundmotiv der Wiedergutwerdung lebt bis heute in der deutschen Erinnerungskultur weiter. Es zentriert weiße Menschen in der Debatte und gipfelt manchmal in einer absurden, egozentrischen Instrumentalisierung des Gedenkens.“

Mohamed Amjahid ist Journalist, Buchautor, Moderator und Kurator. Er schreibt als freier Autor unter anderem für den Spiegel, die Zeit und die taz. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind unter anderem Menschenrechte, Soziale Bewegungen, Außen- und Sicherheitspolitik, Alltagsanthropologie im Mittelmeerraum, (Anti-)Rassismus überall und natürlich die Umbrüche in der Arabischen Welt. 2021 erschien sein zweites Buch „Der weiße Fleck. Eine Anleitung zu antirassistischem Denken.“

12:30 Uhr Panel
Erinnerungskulturelles Mapping für Hamburg

Abgesehen von  den unzähligen Manifestationen der kolonialen und nationalsozialistischen Gewaltgeschichte ist Hamburg auch ein Tatort rassistischer Gewalt in der jüngeren und jüngsten Vergangenheit: Hier wurden 1980 Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân getötet, hier starb 1982 Semra Ertan; Mehmet Kaymakçı und Ramazan Avcı wurden 1985 getötet. Achidi John starb 2001, Süleyman Taşköprü wurde 2001 vom NSU ermordet. 2016 starb Yaya Jabbie in der JVA Hahnöfersand und 2019 William Tonou-Mbobda im UKE.

Die freie Journalistin Nina Schulz entwirft im Gespräch mit Initiativen den Ansatz eines erinnerungskulturellen Mappings für Hamburg. Sie fragen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Engagement für angemessenes Erinnern und multiperspektivische Ansätze um einen komplexen erinnerungskulturellen Raum zu gestalten.

13:30 Uhr Pause

14:30 Uhr Panel
Öffentlicher Raum und Erinnerung

Die rassistische, antisemitische und antiziganistische Gewaltgeschichte von Kolonialismus, Nationalsozialismus, sowie der gewaltvollen Nachkriegsgeschichte in DDR und BRD hat sich bis in die Gegenwart in die Architekturen und Stadträume eingeschrieben. Codiert oder offen treten diese baulichen Spuren zutage, überlagern, verdecken oder verstärken sich gegenseitig, werden durch erinnerungskulturelle Akte betont oder sollen durch Überschreibungen unlesbar gemacht werden. Wie können diese Erinnerungsspuren im öffentliche Raum sichtbar gemacht werden und welche Rolle spielt der öffentliche Raum ganz allgemein in der Erinnerungskultur? Wie können Praktiken der erinnerungskulturellen Raumnahme aussehen, Sichtbarkeiten erzeugt und Orte neu besetzt werden?

Darüber spricht Christopher Nixon, Kurator für koloniale Vergangenheit und postkoloniale Gegenwart bei der Stiftung Historische Museen Hamburg, mit seinen Gästen:

Millicent Adjei, Trainerin, Ausbilderin, Coachin, u.a. Afrikanisches Bildungszentrum und Arbeitskreis Hamburg Postkolonial. Newroz Duman, Aktivistin für Selbstorganisierung, Flucht, Empowerment und Antirassismus, u.a. Initiative 19. Februar Hanau. Dr. Noa K. Ha, Urbanistin, Stadt und Raumsoziologin, Forschung und Veröffentlichungen u.a. zur Kolonialität der Stadt. Cornelia Kerth, Bundesvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist*innen und Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Sinti und Roma in Wilhelmsburg

 

 

Block 2: Komplexe Solidaritäten. Über Intersektionalität, Empathie und Reibungen

 

16:30 Uhr Keynote
Gianni Jovanovic: Wir, die kleine Mehrheit

In seiner Keynote spricht Gianni Jovanovic über einen Aktivismus, der jenseits von monolithischen Zuschreibungen und Wahrnehmungen gestaltet werden kann und auf Solidarität und Teilhabe basiert. Er stellt Fragen nach sprachlichen Kontexten und Codes sowie nach der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von und durch Sprache.

Gianni Jovanovic ist Aktivist für die Rechte von Roma und Sinti und aktiv in der LGBTQI-Community. Seine Schwerpunktthemen sind Empowerment und Persönlichkeitsentwicklung, Diversity und intersektionale Diskriminierung. Daneben ist er Unternehmer und steht als Comedian auf Bühnen.

17:00 Uhr Pause

17:30 Uhr Panel
Für einen multiperspektivischen Antifaschismus – Suche nach intersektionalen Räumen

Antifaschistische und antirassistische Arbeit wird oft mit aktivistischen Praktiken zusammengedacht, die auf Vorstellungen von Stärke, Unbeugsamkeit sowie Ent- und Geschlossenheit basieren. Andererseits ist aktivistisches Engagement kräftezehrend, auslaugend und kann die körperliche wie die emotionale Gesundheit bedrohen. Weiter stellt sich die Frage, wer von einem „Aktivismus der Stärke“ von vorneherein ausgeschlossen wird, welche Perspektiven und Positionen in diesem keinen Platz finden. Welche Form der aktivistischen Intervention wählen wir in welchem Zusammenhang zu welchem Zweck, und welche Ausschlüsse produzieren wir damit?  

Resilienz- und Empowerment-Coach und politische*r Bildungsreferent*in Pajam Masoumi spricht mit mit Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen über ein anderes, durchlässigeres und zeitgemäßes Engagement gegen Faschismus und Rassismus. Es soll um Zwischentöne, um sanftes Empowerment und die aus dieser Perspektive betrachteten Verschränkungen unterschiedlicher Formen von Ermächtigung gehen. Und um die Möglichkeiten einer daraus entstehenden, intersektionalen Solidarität. Zu Gast sind:

Robel Afeworki Abay ist ein afro-deutscher Aktivist, Queer-Feminist und Wissenschaftler. Aktuell befasst er sich mit Ableism und Rassismus im Rahmen seines partizipativen Dissertationsprojekts an der Humboldt-Universität zu Berlin. Hamze Bytyçi ist Schauspieler, interkultureller Familienberater, Theater- und Medienpädagoge sowie Aktivist bei Amaro Drom und RomaTrial. Dr. Darja Klingenberg ist Soziologin mit Schwerpunkt Kultur und Migration an der Vidrina Universität Frankfurt / Oder. Sie forscht zur Soziologie des Humors und russischsprachigen Migrationen im 20. und 21. Jahrhundert. Meikey To ist Illustrator*in, Comiczeichner*in und Teamer*in in der politischen Jugendbildung. Außerdem ist Meikey To im Kunstkollektiv Tiger.Riots aktiv.

 

19:00 Uhr Lecture Performance
Katharina Kohl: Personalbefragung/Innere Sicherheit

Die Hamburger Künstlerin Katharina Kohl stellt ihre beiden in der Ausstellung „Kein ,Einzelfall’. Rechtsradikale Realitäten in Deutschland“ gezeigten Arbeiten „Personalbefragung“ und „Erinnerungslücken“ im Gespräch mit Kurator Jens Geiger vor und präsentiert ihre neu erschienene Edition „Archiv Innere Sicherheit“ im Rahmen einer Lesung.

Die Arbeiten beschäftigen sich mit Akteur*innen im NSU-Komplex und ihren Aussagen vor parlamentarischen Untersuchungsausschüssen. Es sind Versuche, Personen, die qua Profession – als Beamte in Verfassungsschutzämtern, Nachrichtendiensten und anderen Ermittlungsbehörden – die Sichtbarkeit eher meiden, visuell zu greifen und ihre Erinnerungen, die sich in Aussagen als lückenhaft erwiesen, zu visualisieren.

 

Programm am Samstag, 17.04.2021 ab 11:00 im Live-Stream:

 

11:30 Uhr Panel
Nationalismus, Rechtsextremismus und verschiedene Formen von Rassismen und Ungleichwertigkeitsideologien in der (post)migrantischen Gesellschaft

Die ultranationalistischen und rassistischen sogenannten „Grauen Wölfe“ sind eine der größten  rechtsextremen Organisationen in Deutschland. Sie sind verantwortlich für Gewalttaten gegen politische Gegner*innen sowie rassistische Angriffe auf Kurd*innen und Armenier*innen in Deutschland. Mit russischen Rechtsextremist*innen pflegen deutsche Neonazis wiederum beste Beziehungen. Die Autorin und Linguistin und Dr. Reyhan Şahin spricht mit Expert*innen über rechtsextreme Zusammenhänge in (post-)migrantischen Communities als Herausforderung für ein multiperspektivisches antifaschistisches Engagement. Zu Gast sind:

Dr. Kemal Bozay, Professor für Sozialwissenschaften und Soziale Arbeit, Autor und politischer Bildner. Ronya Othmann, Autorin und Journalistin, schreibt Lyrik, Prosa und Essays. Zuletzt erschien ihr Roman-Debüt „Die Sommer“. Marat Trusov,  Berater bei der Initiative für Demokratie und Toleranz Wuppertal.


13:00 Uhr Workshop
Halt mal kurz! Vom Zuhören zum Handeln. Ein Angebot an weiße Teilnehmer*innen

Weiße Menschen,Menschen, die keinen  Rassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus erfahren, werden immer wieder dazu aufgefordert, den Schilderungen, Expertisen und Positionen der Betroffenen zuzuhören. Doch was genau hat sich durch das Zuhören verändert? Was kommt nach dem Hören, nach dem Wissenstransfer? Wie können aus Zuhörenden solidarisch Handelnde werden?

Dieser Workshop will ein Angebot machen zur individuellen Beantwortung dieser Fragen und bietet einen Reflexionsraum explizit für weiße Menschen an. Menschen mit rassistischen Diskriminierungserfahrungen steht dieser Raum natürlich ebenfalls offen, ist aber wahrscheinlich nur wenig gewinnbringend.

Konzept: Ibrahim Arslan, Daniel Manwire, Eliza-Maimouna Sarr


13:34 Uhr Pause

 

Block 3: Deutsche Realitäten und Hamburger Zustände

 

14:45 Uhr Keynote
Doris Liebscher: Rassismus vor Gericht

Doris Liebscher ist Juristin mit einem Schwerpunkt auf dem Rassismus und Recht. In ihrer Keynote, die den letzten Block des Kongresses eröffnet, der sich mit Täter*innenschaften, strukturellem und institutionellem Rassismus und Antisemitismus beschäftigen wird, beschreibt sie die Ambivalenz des Gerichtssaals und der Institutionen der Rechtspflege: Als Ort der Ahndung von rassistischen Verbrechen und damit als Forum für widerständische Praktiken gegen Rassismus und Antisemitismus einerseits, Andererseits als Orte, in denen institutioneller wie struktureller Rassismus sich – wie andernorts auch – manifestieren.

15:45 Uhr Panel
Rechte Staatsdiener*innen

Kaum ein Tag ohne neuen „bedauerlichen“ Einzelfall: Entwendete Munition bei Polizei und Bundeswehr; rassistische, antisemitische Chatgruppen in eben diesen Institutionen; Datenweitergabe durch Behördenmitarbeiter*innen an rechtsextreme Netzwerke, Staatsanwält*innen, Richter*innen und ehemalige Präsident*innen des Bundesamts für Verfassungsschutz, die Mitglieder in rechtspopulistischen oder rechtsextremen Zusammenhängen sind oder wenigstens deren politische Nähe suchen. Umfassendes Behördenversagen bei der Verhinderung und Aufklärung rechter Terrorakte. Dazu täglich unzählige Berichte über antisemitische, antiziganistische, rassistische Diskriminierung von Menschen in Deutschland durch Behörden, Ämter, Beamten und andere Vertreter*innen der Institutionen dieses Landes.

Die Soziologin Ceren Türkmen spricht mit Expert*innen aus Theorie und Praxis zu institutionellem Rassismus und rechtsextremen Netzwerken in staatlichen Institutionen wie Bundeswehr, Polizei und Justiz, aber auch über die Enttarnung dieser Netzwerke und Ansätze für einen Aktivismus, der von innen und außen die Realitäten zu verändern sucht. Ihre Gäste sind:

Schohreh Golian studierte Soziologie und Kriminologie und ist freie Autorin und Fotografin. Akademisch, politisch, aktivistisch und auch kreativ arbeitet sie zu den Schwerpunkten Rassismus, Migration und Flucht, Identität und Diaspora, Postkoloniale Kritik und deren Verknüpfungen mit Kriminalisierung und Kriminalität. Nima Sorouri ist Entwickler und politisch aktiv. Er beschäftigt sich mit Themen wie Alltagsrassismus und rassistisches Framing in den Medien, wovon er selbst betroffen ist. Heike Kleffner ist freie Journalistin und Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Gemeinsam mit Matthias Meisner gab sie 2019 den Band „Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz“ heraus. Onur Özata ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt auf Strafrecht und Opfervertreter. Er vertrat als Nebeklageanwalt die Betreiber des Kiez-Döner in Halle und war davor bereits im NSU-Prozess und in einem Prozess zum rassistischen Attentat im Münchener OEZ Vertreter der Nebenklage.

17:15 Uhr Pause

17:45 Uhr Panel
Hamburger Zustände

Wie überall in Deutschland wirken die rechtsradikalen Realitäten auch hier, in Hamburg: rechter Terror, institutioneller und struktureller Rassismus, Behördenversagen. Auch hier wurden zahlreiche Menschen von Rechtsextremen ermordet und verletzt, unzählige sind täglich Opfer von rassistischer Diskriminierung. Im Gespräch mit Aktivist*innen aus Hamburg entwirft die langjährige Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Schneider einen Überblick über die Hamburger Zustände und die zahlreichen Tatorte von rassistischer Gewalt, Diskriminierung und Institutionenversagen: Von der Balduintreppe über das UKE bis in die Schützenstraße; von Hamburger Gerichtssälen bis in den Plenarsaal der Bürgerschaft.
 

19:15 Uhr Panel
Tatort UKE

Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) wird bis in die jüngste Gegenwart immer wieder zum Tatort von – zum Teil tödlicher – Gewalt gegen BIPoC. Zuletzt starb hier 2019 William Tonou-Mbobda, nachdem ihn Sicherheitskräfte der Klinik fixiert hatten. 2001 starb Achidi John während des erzwungenen Einsatzes von Brechmitteln in der Rechtsmedizin des UKE. 2006 wurde Deutschland vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für den zwangsweisen Einsatz von Brechmitteln verurteilt – wegen Verstoßes gegen das Folterverbot. Dazu kommt eine lange Geschichte von so genannten Altersfeststellungen bei minderjährigen Geflüchteten am UKE, die unter anderem durch die Untersuchung der Genitalien durchgeführt wurde – eine Praxis, die von einem Großteil der Bundesländer abgelehnt wird.

Im Universitätsklinikum - und speziell der rechtsmedizinischen Abteilung der Klinik - laufen unterschiedliche Fäden historisch gewachsenen und systematischen Rassismus zusammen, die es sichtbar zu machen und zu dekonstruieren gilt: Hier finden sich Betroffene von Racial Profiling Maßnahmen der Polizei ebenso wieder wie unbegleitete minderjährige Geflüchtete, deren Aufenthaltsberechtigung in Frage gestellt wird. 

In einem letzten Panel des Kongresses wird Daniel Manwire (Initiative Balduintreppe) mit Expert*innen und Aktivist*innen über die Geschichte und Gegenwart dieses Hamburger Tatorts sprechen.


  • Projektleitung „Kein ,Einzelfall’. Rechtsradikale Realitäten in Deutschland“: Jens Geiger
  • Projektkoordination Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg: Petra Zivkovic
  • Projektkoordination Kampnagel : Alina Buchberger
  • Projektkoordination Metropolis Kino: Manja Malz
  • Kurator Filmprogramm und Ausstellung: Jens Geiger
  • Kurator*innen Kongress: Alina Buchberger, Jens Geiger, Petra Zivkovic
  • Mitarbeit Kongress: Annette Hans
  • Vermittlung: Sonja Collison, Melani Klaric
  • Gestaltung Druckerzeugnisse: Damian Domes
  • Gestaltung Webseite: Damian Domes, Fabian Donay
  • Entwicklung und Umsetzung Webseite: Fabian Donay
  • Redaktion Social Media: Marcel Wicker

Eine Veranstaltung von Kampnagel, Heinrich Böll Stiftung Hamburg, Metropolis Kino Hamburg

Mit Unterstützung von: ZEIT Stiftung, Filmförderung HHSH, BPB, Amadeu Antonio Stiftung, Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus, Heinrich Böll Stiftung Bund

Gefördert durch die: Bundeszentrale für politische Bildung


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Kartentelefon +49 40 270 949-49
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