Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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Live Art Festival #11 & Claiming Common Spaces III
Breaking the Canon:

Konferenz zur Kanonzerstörung – Tag 2

 
  • © Vanessa Reed
Digital / Theorie
  • Sa, 12.06.2021 ab 12:00 [Online]
    Kampnagel – K2 Eintritt frei

TAG 2 DER KONFERENZ

“Kanon”, eine – umstrittene, veränderbare, aber nichtsdestotrotz wirkungsmächtige – Sammlung von Werken, denen kollektiv eine herausragende Bedeutung zugeschrieben wird. Werke, die dem sogenannten Kanon zugehörig sind, werden in Klassikereditionen veröffentlicht, an Theatern jahrezehnte- und jahrhundertelang inszeniert, im Feuilleton besprochen, mit Literaturpreisen ausgezeichnet, übersetzt, im Deutschunterricht und Germanistikstudium gelehrt. Durch gewachsene Systeme wie Rassismus, Ableismus, Klassismus oder Sexismus haben nur einige Wenige die Macht zu definieren, was Teil des Kanons wird und wer sich darin wiederfinden kann. Die gesellschaftliche Auswahl dieser Werke übt Gewalt aus: durch Unsichtbarmachung, Aneignung, wirtschaftliche Benachteiligung, Reproduktion von Diskriminierungen. Aber was tun mit dem Kanon? Zerlegen, transformieren, überschreiben, infiltrieren, explodieren, archivieren, neu beginnen?

• Das Programm am Freitag und Sonntag findet mit Live-Publikum in der Halle K2 auf Kampnagel statt und wird von dort in ein Zoom Webinar (zum online teilnehmen) und auf den Kampnagel Vimeo-Kanal (zum online zuschauen) gestreamt. In der Halle gibt es die Möglichkeit, auf Sitzsäcken zu sitzen/liegen, dazu bitte Plätze in der ersten Reihe buchen. Das Samstagsprogramm findet ausschließlich digital statt.

• Die Konferenzbeiträge finden in deutscher und englischer Lautsprache statt. Audio-Simultanübersetzung in beide Sprachen sind in Zoom Webinar und auf Vimeo verfügbar. Auf Vimeo werden alle Programmbeiträge außerdem in Deutsch und Englisch live untertitelt. Der Stream auf Vimeo wird auch nach der Konferenz verfügbar bleiben.

• ​Während der Q&A können Sie Fragen im Zoom Webinar Chat stellen, oder ihre Fragen per Textnachricht  schicken (die Nummer wird während der Veranstaltung eingeblendet).

Dies ist der englischsprachige Stream. Zum Stream mit deutschem Ton und Untertiteln >>HIER<< klicken.

Dies ist der englischsprachige Stream. Zum Stream mit deutschem Ton und Untertiteln >>HIER<< klicken.

 

Keynote: Metaphern, Bibeln und Stöcke. Zu Re-Kontextualisierung und Schaffung eines persönlichen Kanons. Von Kenny Fries 

12:00 / 30 Min. + Q&A im Anschluss

Das Wort Kanon kommt aus dem Hebräischen und Griechischen und bezeichnet ein Schilfrohr oder einen Stock. Es meint also etwas Gerades (engl. ‘straight’), oder etwas, das aufrecht hält. Für den Autoren Kenny Fries ein interessanter lexikalischer Zusammenstoß, da er sowohl einen Gehstock benutzt, und gleichzeitig sicherlich nicht ‘straight’ ist (im neueren Verständnis des Wortes). Als behinderter und queerer Schriftsteller hatte er nie einen feststehenden Kanon zur Verfügung. Ein persönlicher Kanon ist ihm aber trotzdem wichtig, also hat er selbst einen erstellt. Auf diesem Weg kehrt er immer wieder zurück zu traditionell kanonisierten Schrifsteller*innen, re-kontextualisiert kanonische Werke wie Velazquez’ Gemälde “Las Meninas”, Melville’s Moby Dick, und Günther Grass’ Die Blechtrommel, und zeigt dabei auf, wie aus marginalisierten Identitäten heraus Schreibende – wenn sie in den Kanon eintreten – dem Mainstream Werte neu ein-schreiben. Inklusion ist von jenen bestimmt, die bereits Macht haben.

• ​In englischer Lautsprache mit deutscher auditiver Simultanübersetzung, englischen UT und deutschen UT.
• ​Live im Zoom Webinar, sowie Stream auf Vimeo.

 

Paneldiskussion: Fuck a canon - aesthetic visions beyond the system 

13:00 / 60 Min. + Q&A im Anschluss

“Also, I feel like… fuck a canon! I don’t think we need to invite or accept others into a canon. I think actually, we do not need a canon. We need some other form that isn’t even about that word inclusion, which I fucking hate. There needs to be something that is not a canon and that is created by the people who have been excluded. I’m just putting it out there, like - what could it be? I don’t know! But I wanna usurp the idea of domination, usurp the idea that inclusion could mean “everybody is happy inside of the same structure” - meaning the canon. Because I actually think that any marginalized person knows that survival means working outside of the system”

- Perel (Panel discussion at Kampnagel, Oct. 2020)

Kanonbildung und Aufnahme in den Kanon gehen notwendigerweise mit Verletzung, Aneignung und Gewalt einher. Wie können wir angesichts dieser Umstände andere Formen der Wissensbildung und -sammlung, sowie unterstützender künstlerischer Strukturen vorstellen? Wie können jene an den Rändern des Systems ins Zentrum des Diskurses rücken? Was könnten wir aus neuen Formen des literarischen, künstlerischen, performativen Arbeits gewinnen, die Produktionsmacht nicht zentralisieren, sondern kollektivieren? Wie können wir neue Räume künstlerischer Arbeit schaffen, lebendige und fluide Archive, die unterschiedliche Künstler*innen und Ästhetiken miteinander verbinden? In der Annahme eines Kanonbegriffs, der durch Selektion bestimmte Ästhetiken hervorbringt, wollen wir diskutieren, wie unsere eigenen Ästhetiken über dieses System hinaus definiert werden können – auf eine Weise, die ihre Stärke zelebriert, statt sie einzuverleiben, unter einem Begriff von “Inklusion” abwertet, oder instrumentalisiert.

Speaker: Perel, SchwarzRund, Alexandrina Hemsley, Nadja Ofuatey-Alazard.
Moderation: Nina Schulz

• ​In englischer Lautsprache mit deutscher auditiver Simultanübersetzung, englischen UT und deutschen UT.
• ​Live im Zoom Webinar, sowie Stream auf Vimeo.

 

Virtueller post-kanonischer Book Fair

14:15 / 60 Min. / FINDET IM SPATIAL CHAT STATT.

Wenn wir den durchschnittlichen weißen deutschen Bürger auffordern würden, einen kritischen Blick in seine private Bibliothek zu werfen – wie viele Texte von Frauen würden wir da finden? Wie viele von queeren Personen, und wie viele von Schwarzen Autor*innen? Bücher von behinderten Autor*innen oder trans Autor*innen? Dabei kann Literatur doch vor allem eine Einladung sein, bestimmten Beschreibungen, Wahrnehmungen, Blicken auf die Welt zu folgen, die nicht die eigenen sind.

In Verlagen, Buchläden, Bibliotheken und Archiven liegen viele der Schaltknöpfe, die den einseitigen Bücherschrank umkrempeln können. Beim virtuellen post-kanonischen Book Fair sind einige kleine aber feine Projekte aus diesen Feldern live dabei – sie stellen sich vor, und bringen ihre persönlichen Lektüreschätze mit, um Ihnen auf dem Weg zur anti-rassistischen, queer-feministischen, anti-ableistischen Leseliste neue Denk-Anstöße zu geben.

Mit:
• Archiv Behindertenbewegung
• Black Feminist Book Shop
• Buchhandlung im Schanzenviertel (Mariam Ibrahim, Elin L. Kuttimalai)
• stolzeaugen.books - Die erste BiPoC Verlagsgesellschaft von und für BiPoC
• Tebalou
• Theodor Wonja Michael Bibliothek
• w_orten & meer - Verlag für diskriminierungskritisches Handeln

HIER gibt es einen digitalen Abendzettel mit Infos zu den Initiativen und Buchempfehlungen.

Der Book-Fair findet im interaktiven digitalen Raum Spatial Chat statt. Wer möchte, kann sich mit Video und/oder Audio dazu schalten und mit den Expert*innen ins Gespräch kommen. HIER geht es zum Spatial Chat.

 

Dialogische Keynote: Den Kanon enteignen. Klassismus im Kulturbetrieb. Von Francis Seeck & Daniela Dröscher

15:15 / 45 Min. 

Die dialogische Keynote zwischen Francis Seeck und Daniela Dröscher zeigt auf, wie Kanonbildung und Klassenunterdrückung miteinander verwoben sind. Was als Teil eines Kanons wahrgenommen wird, hängt mit der Frage zusammen was als Wissen anerkannt ist und was nicht. Der Kanon ist ein machtvolles Instrument von Menschen aus der Ober- und Mittelklasse sich von der Arbeiter*innen- und Armutsklasse abzugrenzen.  In der Keynote werden wir den Blick nicht nur auf die hochsubventionierten (auch „Hochkultur“ genannten) Institutionen richten, sondern auch auf die Freie Szene: Wer entscheidet, was kanonisch sein soll und was nicht? Welche Wissensformen sind anerkannt, welche werden abgewertet? Wir werden Un_möglichkeiten einer klassismuskritischen Kanonkritik aufzeigen.

Moderation: Ewe Benbenek

• Voraufgezeichnet, Streaming im Zoom Webinar sowie auf Vimeo.

In deutscher Lautsprache mit englischer auditiver Simultanübersetzung, englischen UT und deutschen UT.

 

Paneldiskussion: “Entfernte Verwandte? Zu Kanon, Leitkultur und umgekehrter ‚Identitätspolitik‘“

16:15 / Dauer: 60 min. + Q&A im Anschluss

Im Panel geht es um die Verwandtschaft zwischen Kanon und sog. „deutscher Leitkultur“. Um die implizit völkische Auffassung von Kunst und Kultur, die aus vielen der rein weiß/cis/hetero/nicht-behindert besetzten Stadttheater-Ensembles, Germanistik-Curricula, Spielpläne und Lehrpläne, oder auch Buchpreis-Jurys spricht. Wieso wird dem deutschen Kanon allgemein keine weiße deutsche „Identitätspolitik“ vorgeworfen? Welche rassistische, ableistische, cis- und heteronormative Konstruktion von „universalem“ Menschsein steckt in diesen homogenen Besetzungen – ganz im Gegensatz zur Selbstinszenierung in Literatur-, Kunst- und Theater-Szene, als per se „kritische Gesellschaftsorgane“? Und welche künstlerischen Disziplinen werden von vorneherein aus einem deutschen Kultur-Kanon ausgeschlossen, weil sie von den Entscheidungsträger*innen nicht als gleichwertige Kunst/Literatur anerkannt werden?

Speaker*innen: Prof. Dr. Azadeh Sharifi, Dr. Max Czollek, Anta Helena Recke, Noa Winter
Moderation: Amina Aziz

• ​In englischer Lautsprache mit deutscher auditiver Simultanübersetzung, englischen UT und deutschen UT.
• ​Live im Zoom Webinar, sowie Stream auf Vimeo.

 

Virtueller post-kanonischer Book Fair

17:30 - open end

Findet im Spatial Chat statt  ein interaktiver digitaler Raum. Wer möchte, kann sich mit Video und/oder Audio dazu schalten und mit den Expert*innen ins Gespräch kommen. HIER geht es zum Spatial Chat.


  • Kuration: Lubi Barre & Alina Buchberger
  • Co-Kuration/Consulting: Perel
  • Kuration Kritikables Queertett: Pajam Masoumi
  • Kuration Virtual Bookfair: Ewe Benbenek
  • Produktionsleitung : Nico Scagliarini
  • Produktionsassistenz: Sarah Just
  • Produktionsleitung Kampnagel: Johanna Thomas
  • Social Media: Sherouk Elsheshai, Emma Stenger, Mariia Vorotilina
  • Illustration: Vanessa Reed
  • Technischer Support: Babelbox
  • Technik: Martin Bals
  • Übersetzung: Nikola Basler und Team, Charlotte Stein, Myriam Sodjinou, Annika Mattes. Meike Krause

Eine Konferenz von fluxus² e.V. und Kampnagel gefördert im Programm #takenote vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


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Kartentelefon +49 40 270 949-49
tickets@kampnagel.de