Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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Queer B-Cademy:
Taking to the Streets

 
  • © Stefan Mosebach

QUEER B-CADEMY

TRILOGY OF TOMORROW 

PART2: TAKING TO THE STREETS 

29.April - 2.Mai 2021

Die Welt mag sich verkrochen haben, aus Angst um das eigene Wohlergehen und zur Eindämmung des Coronavirus. Aber die Queer B-Cademy fand Wege, weiterhin aktiv zu bleiben. Denn queeres Wissen braucht weiterhin einen festen Platz auf dieser verwundbaren Erdkugel. Der erste Teil der “Trilogy of Tomorrow” mit dem Titel “House of Hope” hatte kurz vor dem Lockdown fast prophetisch das Thema Zuhause beleuchtet und die Frage gestellt “Where Is Home?”. Auf diese Frage werden mittlerweile wohl viele Menschen Antworten gefunden und sich nebenbei einen Batzen weiterer Fragen gestellt haben. Eine davon mag sein: “Was geschieht da draußen?”. Der zweite Teil der Trilogie unter dem Titel “Taking to the Streets” widmet sich der Straße – dem öffentlichen Raum also, der für die einen ein selbstverständlicher, für viele Queers aber auch ein gefährlicher Ort ist, an dem sie die Ausgrenzung aus der Gesellschaft – mitunter buchstäblich – zu spüren bekommen. 

Vom 29.April bis 2.Mai trotzt die Queer B-Cademy dem geistigen Lockdown. Serien bingen kann warten. “Taking to the Streets” ist die ultimative Vorbereitung auf die Straße. Mit einem 4-tägigen, überwiegend digitalen Programm, das alle Energiepunkte im Körper öffnet, den Geist durchlüftet und kein Frühjahrsmüdigkeits-Shaming betreibt, geht es um Geschichte, Gegenwart und Zukunft des öffentlichen Raums und seiner Bedeutung  für queere Leben. 

 

DONNERSTAG, 29.APRIL 

Für das Heraustreten vor die Haustür braucht es mentale Vorbereitung, vor allem wenn der Anlass ein Behördentermin ist. Deshalb eröffnet Buchautor:in und Journalist:in Hengameh Yaghoobifarah die Queer B-Cademy 2021 mit einer Vision des institutionellen Umbruchs, dem “Ministerium der Träume” - so der Titel des eigenen, neu erschienenen Romans - aus dem Hengameh vorlesen und über den Hengameh im Interview mit der Autor:in  Kurator:in und Moderator:in Duygu Ağal sprechen wird. Da eine richtig queere Eröffnung mehrgleisig fährt, gibt es gleich drei 4-tägige Installationen vor Ort auf Kampnagel zu erleben: 

Wer sich frecherweise schon einmal gefragt hat, wie sich Queerness bei Menschen eigentlich optisch erkennen lässt, kann bei der Fotoausstellung “Q-Futurism” der Künstlerin Célia N’Noko viel dazulernen. Heteronormative Denk- und Verhaltensweisen nehmen weiterhin im großen Umfang (öffentliche) Räume in Anspruch. Mit seiner installativ-performativen Arbeit “CU”, arbeitet der transdisziplinäre Künstler Mathis Santos an deren Öffnung. Rund um das Kampnagel-Gebäude erzählen die vier Tänzer*innen des House of Brownies mit Hilfe der K-to-go App Episoden von Alltagsszenarien, die sie  katalogartig durch die Reproduktion verschiedener Tanzstile untermalen. In Dialogen, choreografischen Szenen und Video-Bildern zeichnen die Performer*innen Simon Schultz, Isabelle Edi, Louise Vind Nielsen, Yousef Iskandar und Hannes Siebert im Stück “Das Medikament” die Geschichte von HIV bis zur Entwicklung und Marktreife der PrEP-Prophylaxe nach und fokussieren dabei zugleich auf die sich über die Zeit verändernden Zusammenhänge von Infektion und gesellschaftlicher Schuldzuweisung. (auch Freitag und Sonntag zu sehen!) 

Das ultimative Heilmittel ist bekanntlich gute Musik, und die kommt am Eröffnungsabend von der Rapperin EBOW, deren Musikkarriere mit Auftritten im öffentlichen Raum begann. Für den Ausklang bzw. eigentlich das richtige Partyfeeling sorgt das erste all black, femme DJ-Kollektiv Österreichs Bad&Boujee über die Wellen des Hallo-Radio, das bei “Taking to the Streets” das Musikprogramm mitkuratiert hat.

 

FREITAG, 30. APRIL 

Am zweiten Tag von “Taking to the Streets” wird’s deep, dark und divine!

Queerness als den Zustand permanenter Fluidität jenseits identitärer Festschreibungen zu begreifen, liegt der experimentellen Performance “Becoming Unbecoming” von Jada Silva, Nas Tea und Benson A’kuyie zugrunde. Mit audiovisuellen und tänzerischen Elementen bewegen sich die drei Performer*innen zwischen Alltags-Struggle und Selbstfindung. In die dunklen Sphären taucht ebenfalls die Musikerin und Multimedia-Künstlerin Sanni Est mit “Pandemonium”, ein Stück, das sich mit Enttabuisierung von Leidensdruck und dessen Spuren auf die mentale Gesundheit beschäftigt und das Eigentümliche unserer Körpergeschichten zelebriert.

Zusammen mit Miss Immigration und Rude Viana füllen sie audiovisuellen Raum mit ihren Körpern, Stimmen und Stimmungen aus und geben einen Teil ihrer Dunkelheit in digitalem Format für die Zuschauenden frei!

Die Hamburger DJ und Salonière Saeleen Bouvar bringt zusammen mit der Grand Dame des Chicago House Candy J aka Sweet Pussy Pauline trotz allem Licht in die Herstory der Schwarzen queeren Musik. Im Frühabendprogramm des Hallo Radio erinnern sie an die goldenen Tracks der Ära und enthüllen schamlos den heißesten, unveröffentlichten Tratsch über das Musikbusiness. Am Spätabend übernimmt der aufsteigende DJ Sylvio Bouvar mit seiner DJ-Mutter die Konsolen und eröffnet damit den Strut in den Mai, deren ehrenhafter Vorsitz anschließend vertrauensvoll an die Zeremonienmeister*innen Fathoeburger & DON übergeht.

 

SAMSTAG, 1.MAI 

Am dritten Tag lädt der Kurator Ragil Huda zum Gespräch "We See You Roundtable: Queer BIPOC Grassroots Movement and Community Building in Hamburg" ein. Zusammen mit Moderator*in Natayada Tawonsri und den Gästen werden die Möglichkeiten diasporischer Gemeinschaftsarbeit ausgekundschaftet. Um Vorstellungen vom eigenen Leben geht es in der Performance “process-in-progress” von Samra Mayanja und Samuel Lanchin aka samOne samTwo. Darin betrachten die beiden Künstler*innen zugleich satirisch als auch kritisch das eigene Diaspora-Narrativ, das sie für sich (und andere) kreieren. Und wer verbindet seit über einem Jahrhundert Gemeinschaftsarbeit, Musik, Kritik und Satire in der queeren Szene? Richtig! Drag Queens! Lola Rose, Martini Cherry Furter, GodXNoirphiles, Vivienne Lovecraft, Nana Schewitz und Gieza Poke sorgen mit ihrer Varieté-Show für den fulminanten Samstagabend-Höhepunkt mit einer gepfefferten Prise queer-politischer Power, die Erinnerungen an die ursprünglich aktivistische Natur der Drag-Kunst weckt. Danach erschüttert Don Jegosah, mit seinem Konzert unsere Seelen und transzendiert jegliche Vorstellungen von Musik und in Benson Akuyie’s Kurzfilm “Shaman” knistert es vor Spannung. Anschließend feiert das Hallo Radio weiter mit den DJ-Sets von JADA, Nas Tea, Gewitterradio.

 

SONNTAG, 2.MAI 

Traditionell sind die lazy Queer B-Cademy Sonntage zwei Sachen gewidmet: gutem Essen und wehmütigen Klagen, dass alles schon wieder vorbei ist. Aber Queerness bedeutet auch mal mit Traditionen zu brechen. Statt nur der Vergangenheit nachzutrauern, blickt Kuratorin, Produzentin und Kulturpädagogin Tamara Loewenstein im feierlichen Serienstart ihrer Instagram Lives “Die nächsten 1700 Jahre - Queer Jewish Futures” zusammen mit Schriftstellerin und Künstlerin Cleo Kempe Towers aka Emotional Labor Queen in eine neue queere jüdische Zukunft, jenseits von antisemitischen Narrativen und Erinnerungskultur. Patcha Kuti und FAYIM untermalen im Live-Stream den Sonntags-Vibe mit ihren balsamartigen Sounds und Hallo Radio serviert noch ein Set vom iconic electronic MICHAELBRAILEY, bevor Sängerin Mandhla uns filmisch nochmal daran erinnert, dass Trans Black Lives Matter nicht nur ein Trend ist und der Prince of Afro Beat DJ Waxs musikalisch mit dem Team der B-Cademy zeigt, dass es wichtig ist, in der Seele immer etwas Platz für Freude zu lassen. 


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