Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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Jan Dvorak:
Über das Neue Oder: Was machen 800 Schüler auf dem Bergedorfer Marktplatz?

 
  • Fr, 05.06.2009 24H
    Kampnagel Internationales Zentrum für schönere Künste

Jan Dvorak, Komponist, Dramaturg und Spezialist für groß angelegte Projekte der besonderen Art (z.B. Hamburg Requiem) hat für Kampnagels TuSCH-Partnerschule GSB Bergedorf - anlässlich des 20-jährigen Jubiläums - eine LESE-OPER komponiert. Mit knapp 800 Schülern und über 40 Lehrern wird der Bergedorfer Marktplatz zum Experiementierfeld für die Welturaufführung der Lese-Oper „ÜBER DAS NEUEOder: Was machen 800 Schüler auf dem Bergedorfer Marktplatz?"Als Charles Darwin vor 150 Jahren die Evolutionstheorie aus der Wiege hob, hatte er außer einer umstürzenden biologischen Theorie auch eine Antwort auf die Frage gegeben, wie das Neue auf die Welt kommt. Seine Antwort: Das Neue entsteht ständig und unbemerkt durch kleine, zufällige Abweichung vom Bestehenden. Bewährt es sich, wird aus der Abweichung vielleicht der Beginn eines neuen Weges. Das Modell dieser unablässigen Erneuerung durch den „kreativen“ Zufall gilt aber nicht nur für die DNS im Kern unserer Zellen. Es bestimmt genauso die Erzeugung neuer Verhaltenweisen, Moden, Gedanken, Religionen oder Gesellschaftsmodelle. Jeder Mensch ist insofern jenseits seiner genetischen Einzigartigkeit eine Weggabelung mit einem breiten, planierten Weg in üblicher Richtung und einem Trampelpfad aufwärts ins Unbekannte. Ob diese Trampelpfade begangen werden, entscheidet sich vor allem in Kindheit und Jugend, also unter anderem – in der Schule. Ob es uns gefällt oder nicht: Das Neue zeigt sich meistens in neuen Menschen.In der Leseoper „Über das Neue“ sollen einige solcher Trampelpfade getestet, beschworen und beschrieen werden. 800 Schüler von der fünften Klasse bis zur Oberstufe werden für die Dauer einer halben Stunde die Bergedorfer Innenstadt in einen riesigen Resonanzraum verwandeln, der vom Unbekannten tönt. Texte, Geräusche, Aktionen und Gesten werden zu einer Komposition verwoben, die zeitliche, räumliche und akustische Mittel benutzt. Diese Elemente sollen in einem gemeinsamen Prozess vom Komponisten mit den Lehrern und Schülern bestimmt und erfunden werden.Die Texte stammen aus dem Bereich der Naturwissenschaften, der Poesie, der Theorie, der Popmusik verschiedener Sprachen. Hinzu treten kollektiv erzeugte Klänge, die mit dem Mund, den Händen oder einfachen Hilfsmitteln wie Pfeifen, Trommeln oder Glöckchen erzeugt werden können. Alle Schülergruppen sind zudem mobil, bewegen sich auf definierten Wegen durch die Stadt. Und auch die Stadt wird auf diese Anrufung antworten, indem sie Kirchenglocken und Sirenen ertönen lässt. Organisiert wird dieses Durcheinander durch eine Partitur in „Space Notation“-Technik, also durch ein System von Zeiträumen, in denen die Aktionen geschehen sollen. Die Lehrer als Vermittler des Alten und Hebammen des Neuen werden mit Stoppuhren in der Hand das Chaos bändigen. Dem Hörer und Zuschauer werden sich je nachdem, ob und wo er steht oder geht, jeweils unterschiedliche Hörperspektiven bieten. Eine musikalisch-theatralische Landschaft eröffnet sich, die von zarten Klangflächen bis zu Tumult und Radau reicht. Ist das ganze nun eher Neue Musik oder eine Abart der Bundesjugendspiele? Ein gebändigtes Chaos oder eine chaotische Ordnung? „Über das Neue“ soll in dem Kaleidoskop der Klänge den Ursprung aufscheinen lassen von dem, was wir noch nicht kennen.



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