Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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Internationales Sommerfestival 2015:
This is not Greece

 
  • Still from "Boy Eating The Bird's Food"
    © Premium Films
Theorie
  • Fr, 07.08.2015 18:00
    Tickets für den Film im Alabama Kino (6,50 Euro)
    Paneldiskussion: P1 & Film: Alabama Kino
  • Sa, 08.08.2015 12:00
    Kampnagel – P1

Erzählungen von der Krise - Themenspecial

Die gesamte Konferenz steht als Audio-Stream auf voicerepublic.com zur Verfügung!

In der Diskussion um die Finanzkrise in Griechenland zirkulieren in deutschen Medien Zerrbilder der griechischen Bevölkerung. Zeitungen und Fernsehsendungen entwerfen Mentalitätsanalysen, ohne griechische Stimmen in die Diskussion einzubinden. Defizit-Sünder, Euro-Betrüger, Pleite-Griechen – solche Begriffsneuschöpfungen haben sich mittlerweile im deutschen Diskurs über die Griechenlandkrise etabliert. Dabei werden „die Griechen“ als Träger eines frechen, bedrohlichen und raffgierigen Gesamtcharakters gezeichnet, während im Umkehrzug das deutsche ehrliche und hartarbeitende „Wir“ konstruiert wird. So überwiegen entweder simplizistische Mentalitätsanalysen als Erklärungen für die Krise oder wahlweise durchaus gutgemeinte humanitäre Apelle über die Lage der Bevölkerung, während die Stimmen über eine politische Auseinandersetzung mit der neoliberalen Doktrin und den strukturellen ökonomischen Problemen Europas weitestgehend im Hintergrund bleiben.

Im Themenspecial THIS IS NOT GREECE, das in Zusammenarbeit mit der griechisch-deutschen Journalistin und Aktivistin Margarita Tsomou entwickelt wurde, geht es nicht um das Für oder Wider der Austeritätspolitik, sondern darum, einen analytischen Blick auf die Diskurse selbst zu werfen und diese um griechische Perspektiven aus Kunst, Philosophie und Film zu ergänzen. Dabei werden sowohl anhand preisgekrönter griechischer Filmproduktionen zeitgenössische Bilder aus Griechenland diskutiert, als auch jenseits von Repräsentationen durch eine Auseinandersetzung mit gelebten Erfahrungen im Land die hiesigen Narrative bereichert – sowie sich diese etwa in der Arbeit von griechischen Theoretiker*innen, Ausstellungs- und Theatermacher*innen zeigen.

 

PROGRAMM SAMSTAG, 08.08.


12:00
VAROUFAKIS’ MITTELFINGER:
Vortrag von Srecko Horvat, Eintritt frei, 60 Min., P1, in englischer Sprache

Der bekannte kroatische Philosoph und Festivalmacher Srecko Horvat diskutiert Varoufakis’ Mittelfinger, der nach einem Beitrag von Günter Jauch eine internationale Mediendebatte auslöste. Jauch zeigte ein aus dem Kontext gerissenes Video, das Varoufakis 2013 bei einem Vortrag beim „Subversive Festival“ in Zagreb zeigt, das zu dieser Zeit von Srecko Horvat geleitet wurde.

Srecko Horvat ist ein kroatischer Philosoph und Autor, und gilt als viel versprechende theoretische Stimme der neuen Linken. Sein letztes Buch schrieb er gemeinsam mit Slavoj Žižek, es erschien in Deutschland 2013 sie unter dem Titel „Was will Europa? – Rettet uns vor den Rettern“. Von 2008 bis 2013 leitete er das „Subversive Festival“ in Zagreb.

 

13:00
DIE MACHT DER ENTEIGNETEN?: Vortrag von Athena Athanasiou, Eintritt frei, 60 Min., P1, in englischer Sprache

Die griechische Sozial- und Politikwissenschaftlerin Athena Athanasiou wurde 2013 schlagartig durch ihr Gespräch mit Judith Butler – auf deutsch unter dem Titel „Die Macht der Enteigneten“ bei diaphanes veröffentlicht – bekannt, in dem sie die politischen Auswirkungen der revolutionären Aufstände im Nahen Osten und Nordafrika und die Proteste auf dem Athener Syntagma Platz und im Zuccotti Park New York diskutiert haben. In ihrem Vortrag gibt sie eine philosophische und sozialtheoretische Einordnung der derzeitigen Lage in Griechenland.

Athena Athanasiou lehrt an der Panteion Universität für Sozial- und Politikwissenschaften in Athen. Nach ihrem Studium der Geschichte, Archäologie und Philosophie in Athen und Thessaloniki promovierte sie an der New School for Social Research (New York). Aus aktuellem Anlass befasst sie sich insbesondere mit Nationalismus, Griechenland und Krisenpolitik, wie kürzlich im Chronos Mag.

 

14:15
Kulturproduktion im Ausnahmezustand:
Gespräch mit Poka-Yio, Anestis Azas und Anna Mülter, Eintritt frei, 90 Min., P1, in englischer Sprache

Die Krise hat das Alltagsleben und die Bedingungen für Kunstproduktion so heftig verändert, dass Raum für Neues entstanden ist. Der Direktor der Biennale Athen, Poka-Yio, spricht über kollektive Produktions- und Kurationsstrategien von unten mit dem Theatermacher und Direktor der Experimentalbühne des Griechischen Nationaltheaters Anestis Azas und der künstlerischen Leiterin des interventionistischen Stadtprojekts X-apartments in Athen, Anna Mülter.

Poka-Yio ist ein griechischer Künstler und Kurator, der in Athen lebt und arbeitet. Er ist Mitbegründer und Ko-Direktor der Athen Biennale, und gemeinsam mit Xenia Kalpaktsoglou, Teil des kuratorischen Duos X&Y. Ihre letzten kuratorischen Projekte waren Destroy Athens, 1. Athen Biennale 2007 (mit Augustine Zenakos), Monodrome, 3. Athen Biennale 2011 (mit Nicolas Bourriaud), wie auch Omonoia, die 5.-6. Athen Biennale, die von 2015-2017 läuft. Für die Biennale AGORA 2013 haben sie mit dem ECF Princess Margriet Award for Culture 2015 einen der wichtigsten europäischen Kunstpreise bekommen.

Anestis Azas studierte Regie an der Theaterfakultät der Aristoteles Universität in Thessaloniki, sowie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Mit Prodromos Tsinikoris hat er die Intendanz der Zweiten Bühne des Griechischen Nationaltheaters inne. Als Regieassistent und Übersetzer wirkte er u.a. 2010 bei Rimini Protokoll an „Prometheus“ am Herodes Odeon in Athen mit. Seit 2008 inszeniert er an Staatstheatern und mehreren Bühnen der Freien Szene Athens. 2011 wurde er zum Internationalen Forum des Berliner Theatertreffens eingeladen und war für den griechischen Regienachwuchspreis „Karolos Koun“ nominiert.

Anna Mülter ist eine Berliner Kuratorin, die zurzeit die Tanztage Berlin leitet und für das Tanzprogramm der Sophiensäle mitverantwortlich ist. Zuvor war sie Mitarbeiterin der künstlerischen Leitung von Theater der Welt 2014 in Mannheim und arbeitete als kuratorische Assistentin und Dramaturgin am HAU Hebbel am Ufer Berlin. Im Frühjahr dieses Jahres leitete sie gemeinsam mit Katia Arfara die Athener Version von Matthias Lilienthals kuratorischem Format X-Wohnungen.

 

16:00
Boy eating the bird's food (2012)
: Film von Ektoras Lygizos, 6,50 Euro, 80 Min., Alabama Kino, griechisch mit deutschen Untertiteln

Der Experimentalfilm BOY EATING THE BIRD’S FOOD zeichnet ein Stimmungsbild der jugendlichen griechischen Bevölkerung, das vor allem aufgrund der schockierend sozialrealistischen Bilder Beachtung fand. Er begleitet drei Tage lang einen griechischen arbeitslosen Jugendlichen, der sich nicht nur die Wohnung, sondern auch das Tierfutter mit seinem Kanarienvogel teilt, um den eigenen Hunger zu stillen.

Ektoras Lygizos ist ein aus Athen stammender Theater- und Filmregisseur. Für sein Filmdebut BOY EATING THE BIRD’S FOOD wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. beim Athens Film Festival, Toronto International Film Festival und Oldenburg Film Festival.

 

18:00
Bilder der Krise
: Gespräch mit Ektoras Lygizos und Athanasios Karanikolas, Moderation: Nana Heidenreich, Eintritt frei, 80 Min., P1, in englischer Sprache

Der griechische Film boomt. Griechische Independent-Regisseure sind auf internationalen Filmfestivals Dauergäste mit ihren spannenden und dramatischen Geschichten, die – mehr oder weniger explizit – Resultate der Krise sind. In einer Filmreihe präsentiert das Internationale Sommerfestival präsentiert das Internationale Sommerfestival zwei Beispiele aus den letzten Jahren und lädt die Regisseure zu einer Podiums-Diskussion über ihre Arbeiten ein.

Athanasios Karanikolas ist ein griechischer Filmemacher, der in Berlin lebt. STO SPITI ist sein dritter Spielfilm, und erregte bei seiner Premiere im Berlinale Forum 2014 großes Aufsehen.

Ektoras Lygizos ist ein aus Athen stammender Theater- und Filmregisseur. Für sein Filmdebut BOY EATING THE BIRD’S FOOD wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. beim Athens Film Festival, Toronto International Film Festival und Oldenburg Film Festival.

Nana Heidenreich ist Medienwissenschaftlerin und Ko-Kuratorin der Sektion „Forum Expanded“ bei der Berlinale.

Zum Programm am Freitag, 07.08.


 


KONZEPTION: Margarita Tsomou, Eike Wittrock. Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung.


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