Theater, Performance und Tanz in Hamburg - Kampnagel

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Internationales Sommerfestival 2022
Future of Code Politics II:

Technologies of Radical Care – Eröffnung

 
  • © Clarote
Theorie / Digital / Rollstuhlgerecht
  • In englischer oder spanischer Lautsprache mit Übersetzung in englische & deutsche Lautsprache & Live-Untertitelung in Englisch, Deutsch, Oromo, Luganda & Mixe.
    Die Konferenz ist kostenlos, aber mit Anmeldung via Ticketshop.

  • Fr, 19.08.2022 17:30 [auch Online]
    Kampnagel – P1 Tickets

Eine Konferenz zum Verhältnis von neuen Technologien und radikaler Sorge.

In der Pandemie ist die Pflegekrise viel diskutiert worden. Sie steht, mit einer Reihe vieler anderer gesellschaftlicher und ökologischer Systeme, kurz vor dem Kollaps. „Care“, also (Für)Sorge, ist darum zum Schlagwort für viele gesellschaftspolitische Diskussionen geworden. Gleichzeitig wird dem Notstand der Gesundheits- und Sozialsysteme, der Natur und des gesellschaftlichen Zusammenlebens in vielen Fällen mit der Hoffnung auf neue technologische Möglichkeiten begegnet. Solche Technologien werden dabei aber meistens mit dem Ziel entwickelt, Menschen, Umwelt und Gesellschaft effizienter zu gestalten. Mit Algorithmen und Software-Systemen werden Abläufe optimiert und kontrolliert. Häufig wird so ein System von Macht und Abhängigkeiten im Code festgeschrieben. Aber was wäre, wenn wir unsere Gegenwart und Zukunft so gestalten würden, dass stattdessen die Sorge um Mensch und Umwelt im Mittelpunkt steht? An drei Tagen lädt THE FUTURE OF CODE POLITICS II – TECHNOLOGIES OF RADICAL CARE Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Künstler*innen aus der ganzen Welt ein, um diese Fragen zu diskutieren. Sie entwickeln queerfeministische, dekoloniale und anti-ableistische Perspektiven auf gegenwärtige Technologien der (Für)Sorge – und machen Vorschläge dafür, wie sie in Zukunft aussehen könnten.

Das Programm ist in Zusammenarbeit mit J. Khadijah Abdurahman (We Be Imagining), Gracen Brilmyer (Disability Archives Lab), Lucia Egaña (Musea MAMI), Joana Varon (Coding Rights), Lorena Jaume-Palasí (The Ethical Tech Society) und Lena Kollender (Kuratorin) entstanden. Moderiert wird es von der Journalist*in und Autor*in des Bestsellers „Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist“, Şeyda Kurt.

Das gesamte 3-Tages-Programm im digitalen Programmhelft HIER zum Download.


PROGRAMM FREITAG, 19.08. / ERÖFFNUNG

17:30
Eröffnung & Willkommen
mit Lena Kollender & Şeyda Kurt

18:00 - 19:00
Eröffnungspanel: The Future of Code Politics - Technologies of Radical Care

mit J. Khadijah Abdurahman, Gracen Brilmyer, Lucía Egaña, Joana Varon, Lorena Jaume-Palasí & Lena Kollender
Moderation: Şeyda Kurt

Körper werden durch kulturell spezifische Vorstellungen von Raum und Zeit geprägt. Und Vorstellungen von Raum und Zeit schaffen den ländlichen, den städtischen und den digitalen öffentlichen Raum. In den strafrechtlichen Datenbanken gibt es mehr Daten über People of Color als im Gesundheitsbereich. Diese Datenbanken werden hauptsächlich von weißen Erfahrungen und Denkweisen konstruiert und genutzt – und repräsentieren nicht die Erfahrungen und Vorstellungen von BIPoC Communities. Es ist indigenen Personen praktisch unmöglich, Zugang zu digitalisierten öffentlichen Räumen in ihren eigenen Sprachen, nach ihren eigenen Regeln zu erhalten. Und öffentliche Räume, die nicht-behinderte Körper in den Mittelpunkt stellen, halten behinderte Körper mittels (technologischer) Barrieren am Rand. Aber wer nicht sichtbar ist, für den wird auch nicht gesorgt. Und wie wir sehen und dokumentieren, ist nicht immer sorgsam.

Das Eröffnungspanel bringt das Kurator*innen-Team dieser Konferenz in einem hybriden Rahmen zusammen. Sie eröffnen ein asynchrones Gespräch zwischen aufgezeichneten Videobotschaften von Überraschungsgästen aus der ganzen Welt und Live-Reaktionen im physischen Raum auf Kampnagel – und geben so einen Überblick über die Themen und Fragen der kommenden zwei Tage.


BIOGRAFIEN

Gracen Brilmyer (they/them) ist ein*e behinderte*r Forscher*in an der Schnittstelle von feministischen Disability Studies und Archivstudien mit einem Hintergrund in Design und digitalen Archiven. Gracen untersucht die Auslöschung behinderter Menschen in Archiven, vor allem in der Geschichte von Naturkundemuseen und der Kolonialgeschichte; und wie behinderte Menschen sich selbst in Archivmaterial erleben. Gracen ist Gründer*in des Disability Archives Lab, das multidisziplinäre Projekte und Forschungsinitiativen beherbergt. Es befasst sich mit der Politik von Behinderung, mit der Frage, wie behinderte Menschen von archivarischer Repräsentation betroffen sind, und wie man sich eine archivarische Zukunft vorstellen kann, die behinderte Perspektiven und Wünsche zentriert. Gegenwärtig arbeitet Gracen an The Labour of Belonging, einem Forschungsprojekt, das anhand von Interviews mit behinderten Archivaren den Ableismus im Archivwesen untersucht; sowie an The Crip Futures Archive, einer digitalen Plattform, auf der sich behinderte Menschen selbst archivieren. Derzeit ist Gracen Assistenzprofessor*in an der McGill University, und deren Arbeit wurde in Zeitschriften wie Archival Science, Archivaria und The Journal of Feminist Scholarship veröffentlicht. Weitere Informationen: gracenbrilmyer.com

J. Khadijah Abdurahman (they/them/any) ist ein*e Abolitionist*in mit Forschungsschwerpunkt auf Predictive Analytics im sogenannten Kinderschutzsystem von New York City und Technologien am Horn von Afrika. Khadijah ist Gründer*in von We Be Imagining (WBI), einem gemeinnützigen Technologieprojekt am INCITE Center der Columbia University und dem Democracy and Trust Program der American Assembly. WBI beruft sich auf die radikale Schwarze Tradition, durch die Verbindung von akademischem Diskurs, Performance-Kunst und in Zusammenarbeit mit lokalen Communities, Technologien des öffentlichen Interesses zu entwickeln. Khadijah ist außerdem Mitbegründerin der Otherwise School: Tools and Techniques of Counter-Fascism an Sucheta Ghoshals Inquilab an der University of Washington, HCDE. Außerdem war Khadijah Gastredakteur*in des Logic Magazine: Beacons und ACM Interactions: Unmaking Democracy. Zuletzt schrieb Khadijah außerdem u.a. für The Funambulist und Columbia's Law and Race Journal.

Joana Varon ist Brasilianerin mit kolumbianischen Vorfahren und einem Nomad*innenherz. Sie ist eine feministische Forscherin und Aktivistin. In ihrer Arbeit setzt sie einen Fokus auf dekoloniale, lateinamerikanische Perspektiven und bringt diese in die Suche nach feministischen techno-politischen Rahmenbedingungen für die Entwicklung, den Einsatz und die Nutzung von Technologien ein. Sie ist Mitbegründerin und Creative Chaos Catalyst bei Coding Rights; Technology and Human Rights Fellow am Carr Center for Human Rights Policy der Harvard Kennedy School und Mitglied des Berkman Klein Center for Internet and Society der Harvard University. Als ehemalige Mozilla Media Fellow, die an Kunst, Kreativität und Coding als Werkzeuge für Revolutionen glaubt, ist sie Mitbegründerin mehrerer kreativer Projekte, die sich mit dem Zusammenspiel von Aktivismus, Kunst und Technologie befassen, wie u.a. transfeministech.orgMusea M.A.M.I.chupadados.com, #SaferSisters, Safer Nudes, From Devices to Bodies. Mehr auf @CodingRights und @joana_varon.

Lena Kollender (sie/ihr) ist Dramaturgin und Kuratorin für Theater, Performance, Tanz und Diskurs. Sie hat Literatur- und Theaterwissenschaft und Dramaturgie in Berlin, Paris und Hamburg studiert. Von 2013 bis 2021 hat sie für das Internationale Sommerfestival Kampnagel in Hamburg gearbeitet und in dem Rahmen u.a. an der letzten Ausgabe von THE FUTURE OF CODE POLITICS, sowie an zahlreichen künstlerischen Projekten und Diskursformaten mitgewirkt. Seit 2022 arbeitet als Dramaturgin bei den Sophiensaelen Berlin. In ihrer Freizeit ist sie außerdem Aktivistin für reproduktive Gerechtigkeit.

Lorena Jaume-Palasí ist eine Forscherin und Aktivistin auf dem Gebiet der Technologie und Ethik. Sie ist Mitglied des Internationalen Beirats des Gremiums für die Zukunft der Wissenschaft und Technologie (STOA) des Europäischen Parlaments. 2020 wurde sie von der Regierung ihres Heimatlandes Spanien in den Nationalen Rat für Künstliche Intelligenz berufen. Derzeit engagiert sie sich in der von ihr initiierten gemeinnützigen "Nicht-Organisation", der The Ethical Tech Society. Dort konzentriert sie sich auf Fragen des öffentlichen Interesses und Machtpraktiken an der Schnittstelle von Technologie, Ethik und Regulierung. Als Mitbegründerin der Initiative Algorithm-Watch erhielt sie 2018 die Theodor-Heuss-Medaille "für ihren Beitrag zu einer differenzierten Betrachtung von Algorithmen und deren Wirkmechanismen."

Lucia Egaña Rojas ist eine chilenische Künstlerin, die derzeit in Barcelona lebt. Neben ihrer künstlerischen Praxis, ist sie als Autorin, Forscherin, Lehrerin und Produzentin audiovisueller Medien tätig. Ihre Arbeit problematisiert die Beziehung zwischen Hoch- und Populärkultur, High Tech und Low-Fi, öffentlichem und privatem Raum sowie die Beziehung zwischen Nord und Süd. Sie hat in Chile Bildende Kunst studiert und in Spanien einen Master in kreativem Dokumentarfilm und einen Doktor in Post-Pornografie erworben. Sie ist Mitglied des Instituto de Estudios del Porno, der Cooperativa de técnicas, des Musea M.A.M.I., der Pluriversidad Nómada und anderer Kollektive. Außerdem entwickelt sie aktuell zwei Forschungsprojekte und macht Stickereien, Videos und Performances. Weitere Informationen: luciaegana.net

Şeyda Kurt ist freie Journalist*in, Buchautor*in und Moderator*in. Sie studierte Philosophie und Romanistik in Köln und Bordeaux sowie Kulturjournalismus an der Universität der Künste in Berlin. In ihrem Sachbuchbestseller „Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist“ untersucht sie Liebesnormen und Beziehungsformen im Kraftfeld von Kapitalismus, Patriarchat und Kolonialismus. Für ihre Mitarbeit an dem Spotify Original Podcast „190220 - Ein Jahr nach Hanau“ wurde sie im Team mit dem Grimme Online Award 2021 ausgezeichnet. Şeyda Kurt spricht und schreibt über Innen- und Außenpolitik, linken Feminismus, Kultur und Kulturpolitik sowie neue Visionen des Miteinanders.


CO-KURATION J. Khadijah Abdurahman, Gracen Brilmyer, Lucia Egaña, Joana Varon

KONZEPT & KURATION Lorena Jaume-Palasí, Lena Kollender

PRODUKTION LEAD (Lea Connert, Dana Tucker, Carolina Brinkmann).

GEFÖRDERT DURCH den Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR

IN KOOPERATION mit der Nemetschek Stiftung & der Hans Böckler Stiftung

MIT UNTERSTÜTZUNG VON Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. und dem Goethe Institut.


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Kartentelefon +49 40 270 949-49
tickets@kampnagel.de