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Unvergessen – Schwarze und People of Color im Nationalsozialismus:
Feierstunde zur Woche des Gedenkens der Bezirksversammlung Hamburg-Nord

 
Digital / Rollstuhlgerecht / Theorie
  • Mi, 27.01.2021 18:00 [Live-Stream]
    Kampnagel Internationales Zentrum für schönere Künste

Der 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 2021 ist Anlass für die Veranstaltungsreihe WOCHE DES GEDENKENS im Bezirk Hamburg-Nord. Sie steht für ein gemeinsames Gedenken an die Opfer des Holocaust und gegen das Vergessen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Die Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung aber auch die Selbstbehauptung und der Widerstand Schwarzer Menschen und People of Color im Nationalsozialismus sind in der erinnerungspolitischen Aufarbeitung wenig präsent. Die Woche des Gedenkens widmet sich in 2021 daher schwerpunktmäßig diesem Thema.

Der Auftakt der Woche des Gedenkens findet traditionell im Rahmen einer Feierstunde und dieses Jahr auf Kampnagel statt. Neben einer Festrede von Dr. Susann Lewerenz, die an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu der Geschichte von Schwarzen Menschen und People of Color in Deutschland zwischen 1920 und 1960 arbeitet, werden auf einer Podiumsdiskussion die Verbindungslinien zwischen deutscher Kolonialvergangenheit, dem Nationalsozialismus und heute in Bezug auf diese Opfergruppe diskutiert. Das musikalische Begleitprogramm gestalten die Shootingstars des Hamburger Kollektivs FORMATION**NOW.

Es diskutieren:

  • Christopher Nixon, Philosoph und Co-Kurator der Ausstellung Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand am Museum der Arbeit

  • Eliza-Maimouna Sarr, Antidiskriminierungs- und Empowermentberaterin

  • Dr. Susann Lewerenz, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Studienzentrums der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

  • Moderation: Priscilla Owosekun-Wilms, Vorsitzende Bezirksversammlung Hamburg-Nord

INTERVIEW MIT PRISCILLA OWOSEKUN-WILMS

Priscilla, der Fokus der diesjährigen Woche des Gedenkens liegt auf den Lebenswegen Schwarzer Personen und People of Color im Nationalsozialismus. Wieso habt ihr als Präsidium und du als neue Vorsitzende der Bezirksversammlung diesen Schwerpunkt gesetzt?


P.O-W.: Die Woche des Gedenkens ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der erinnerungspolitischen Arbeit in den Bezirken, also auch bei uns in Hamburg-Nord. Anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar gedenken wir jedes Jahr im Rahmen eines vielfältigen Veranstaltungsprogrammes den unzähligen Opfern der Shoa. Es ist uns wichtig, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aber auch die verschiedenen Opfergruppen angemessen zu würdigen. In diesem Jahr nehmen wir die Biografien von Schwarzen und People of Color in den Blick. Sie sind in der erinnerungspolitischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen bisher wenig präsent.
 
Welche Rolle spielen Kunst und Aktivismus in der Wissensproduktion über diese Biografien?

P.O-W.: Aktivismus und Kunst öffnen den Raum, um die Kontinuitäten zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus auf der einen Seite und heutigem Antisemitismus, den verschiedenen Arten von Rassismus und anderen Diskriminierungsformen auf der anderen Seite besser zu verstehen. Die Lebensrealitäten vieler marginalisierter Gruppen scheinen sich auf den ersten Blick verbessert zu haben. Bedauerlicherweise wissen wir, dass die menschenverachtenden Ideologien der Vergangenheit nicht verschwunden sind. Kunst und Aktivismus legen die Verbindungen offen, fordern zur kritischen Auseinandersetzung (mit der eigenen Positionierung) heraus und schaffen Raum für Empowerment und Heilung.
 
Welche Impulse sind dir für eine solidarische Hamburger Erinnerungskultur wichtig?

P.O-W.: Es gibt viele Expertinnen und Experten of Color. Sie müssen im Rahmen der erinnerungspolitischen Debatte gezielter zur Sprache kommen. Außerdem finde ich es wichtig, den monolithischen Blick auf marginalisierte Gruppen aufzubrechen. Die Engagierten sollen sich nicht gegeneinander ausgespielt fühlen, wenn es um den Zugang zu Ressourcen geht. Zuletzt wünsche ich mir eine Erinnerungskultur, die intersektional gedacht wird.

Das Gespräch führte Alina Buchberger



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